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24.10.2006 Bluewin TV Plus
24.10.2006 Bluewin TV Plus
Der wichtigste Trend für die Zukunft des Fernsehens ist die Individualisierung des Medienkonsums. Davon ist Swisscable - der Verband der Kabel-TV-Unternehmen - überzeugt. Anlässlich der Infotagung am 7. November zeigte Präsident Hajo Leutenegger die Konsequenzen für das Fernsehen auf. Zudem kommentierte er die Lancierung von Bluewin TV.

"Die Lancierung von Bluewin TV führt zu einer verschärften Konkurrenzsituation für die Kabel-TV-Anbieter. Hier besteht nun Wettbewerb, nicht nur zwischen Kabelnetzen und Swisscom, sondern auch gegenüber Satellit und terrestrischer Verbreitung. Niemand hat hier noch ein Monopol. In dieser Situation sind wir gefordert, uns auf unsere Stärken zu konzentrieren." So kommentierte Swisscable-Präsident Dr. Hajo Leutenegger den Einstieg der Swisscom ins TV-Geschäft. Als Stärken der Kabel-TV-Anbieter nennt er die langjährige Erfahrung im Fernsehgeschäft, die unerreicht hohe Bild- und Tonqualität des Kabelfernsehens und die Zufriedenheit der Kunden.

Damit spricht er auch die hohen Qualitätsansprüche der Schweizer TV-Kunden an: "Ob Fernsehen via Telefonleitung diese Qualitätsansprüche erfüllen kann, ist offen." Eine wichtige Rolle spiele dabei das hochauflösende Fernsehen (HDTV), das in Zukunft an Gewicht gewinne. Die Netze der Kabel-TV-Unternehmen seien schon heute für HDTV bereit. "Ob das auch für Bluewin TV gilt, werden wir sehen."

Hohe Abdeckung und lokale Verankerung als Vorteile
Ein weiterer Vorteil sei die hohe Abdeckung von über 90 Prozent aller Schweizer Haushalte. Demgegenüber könne Swisscom mit Bluewin TV nur einen Teil der Haushalte abdecken. Und in diesen Haushalten könnten die Kunden nur zum Teil gleichzeitig fernsehen und eine Sendung aufnehmen. Mit einem Zweitgerät könne man zudem weder aufnehmen noch zeitversetzt fernsehen. "Swisscom hat eine Autobahn gebaut, die teilweise nur eine Spur aufweist und maximal zwei Spuren hat. Kabelnetze dagegen verfügen schon heute über mehrere Spuren, die parallele Anwendungen ermöglichen", führte Leutenegger aus. Als letzte Stärke nennt er die lokale Verankerung und Kundennähe der

Kabel-TV-Anbieter: "Mit unseren Angeboten sind wir nahe bei den Kunden, da wir diese gut kennen."

Individualisierung des Medienkonsums als wichtigster Trend
Weiter betonte Leutenegger an der Infotagung, dass die Individualisierung des Medienkonsums der wichtigste Trend für die Zukunft des Fernsehens sei. Dies zeigten verschieden Studien und Erfahrungen aus dem Ausland. "Fernsehen wird in ein paar Jahren viel stärker den individuellen Bedürfnissen angepasst sein. Man wird aus einer unglaublichen Vielfalt an Programmen massgeschneiderte Programmpakete abonnieren können", erklärte Leutenegger.

Voraussetzung für einen individuellen Fernsehkonsum seien hauptsächlich zwei Dinge: der Übergang zu digitalem Fernsehen und eine Grundverschlüsselung der Programme.

"Digitales Fernsehen bietet einen echten Mehrwert"
Swisscable plädiert für einen schnellen Übergang zu digitalem Fernsehen. Was aber bedeutet dies für die Fernsehkabel-Kunden?

Leutenegger nennt vier Aspekte: Erstens bedeute es, dass die Kunden von den Vorteilen des digitalen Fernsehens profitieren könnten: eine bessere Bild- und Tonqualität, ein grösseres und viel breiteres Programmangebot und mehr Individualität beim Fernsehen. "Gegenüber analogem Fernsehen bietet digitales Fernsehen bereits heute einen echten Mehrwert. Mit der Einführung von HDTV wird sich dieser Mehrwert in den nächsten Jahren laufend vergrössern", meint Leutenegger.

Abschaltung von analogen Programmen: Unterschiedliche Fahrpläne

Zweitens bedeute ein schneller Übergang zu digitalem Fernsehen, dass das heutige analoge Basis-Programmanbot kleiner wird. Der Grund:

Um für das umfassende digitale Angebot Platz zu schaffen und damit das individualisierte Fernsehen auszubauen, wird das analoge Angebot kontinuierlich reduziert. Ab 2010 wird im Kabel ein gegenüber heute eingeschränktes analoges Angebot zur Verfügung stehen. Welche analogen Programme wann abgeschaltet werden, hängt von der Kapazität des Netzes ab und variiert je nach Kabel-TV-Anbieter. So haben zum Beispiel die EBLCom in Liestal und die Sinergy Commerce SA in Martigny unterschiedliche Fahrpläne (siehe Beilage I). Leutenegger

betont: "Viel wichtiger als ein einheitlicher Fahrplan ist, dass die Kabel-TV-Anbieter im Vorfeld umfassend informieren. So können die Kunden die Entwicklung nachvollziehen und bei Bedarf schnell und unkompliziert auf das digitale Angebot umsteigen."

Settop-Box als Voraussetzung für digitales Fernsehen
Drittens bedeutet digitales Fernsehen, dass ein Empfangsgerät benötigt wird. Dieses Empfangsgerät - Settop-Box genannt - ermöglicht die Darstellung der digitalen Bilder auf dem Fernsehgerät.

Settop-Boxen kann man in der Regel beim lokalen Kabel-TV-Anbieter mieten oder kaufen (siehe Beilage II). Zum Thema Stromverbrauch von Settop-Boxen erwähnt Leutenegger, dass Swisscable mit dem Bundesamt für Energie vor kurzem eine Vereinbarung unterzeichnet hat, wonach der Stromverbrauch von Settop-Boxen im Standby-Betrieb limitiert werden soll. Leutenegger: "Wir empfehlen unseren Mitgliedern, nur noch Settop-Boxen einzusetzen, die dem entsprechenden europäischen Verhaltenskodex entsprechen." Dieser sieht beispielsweise vor, dass eine Settop-Box im aktiven Standby-Betrieb maximal 7 Watt verbrauchen darf.

Digital-TV bietet mehr und kostet mehr
Viertens bedeutet der Übergang zu digitalem und damit individualisiertem Fernsehen - gegenüber dem analogen Fernsehen - höhere Kosten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So hätten die Kosten bei der Beschaffung von digitalen Programmen zugenommen, weil die Programmveranstalter von den Kabel-TV-Anbietern zunehmend ein Entgelt für ihre Inhalte verlangten. Damit hofften die Programmveranstalter, die schwindenden Werbeeinnahmen zu kompensieren und neue Geschäftsfelder zu eröffnen. "Digitales Fernsehen ist teurer, weil digitale Qualitätsprogramme zunehmend nur noch gegen Entgelt - und nicht mehr gratis - erhältlich sind", fasst Leutenegger zusammen. Zudem biete digitales Fernsehen im Grundangebot in der Regel viel mehr Programme als analoges Fernsehen. Auch dies sei ein Kostenfaktor. Und schliesslich würden bei der Preisgestaltung auch die Investitionen in die Infrastruktur, die Settop-Box und die Entschädigungen für Urheberrechte ins Gewicht fallen.

"Verbot der Grundverschlüsselung ist unrealistisch"
Die zweite Voraussetzung für individuelles Fernsehen ist die Grundverschlüsselung der Programme. Dabei werden die TV-Signale verschlüsselt (codiert) verbreitet. Um so fernsehen zu können, müssen die Signale auf Empfängerseite entschlüsselt (decodiert) werden.

Dafür sorgt wiederum das Empfangsgerät für digitales Fernsehen (Settop-Box).

Swisscable unterstützt die Grundverschlüsselung, weil es dadurch möglich wird, den Kunden massgeschneiderte Angebote zu machen. "In Zukunft wird der Kunde vermehrt nur noch diejenigen Programme abonnieren und bezahlen, die er auch tatsächlich haben will", so Leutenegger. Daneben spiele auch eine Rolle, dass der Trend auf Seiten der internationalen Programmanbieter klar in Richtung Verschlüsselung und Bezahlfernsehen (Pay-TV) gehe. Die Kabel-TV-Anbieter als Verbreiter von Inhalten müssten deshalb die Möglichkeit haben, ihren Kunden bestimmte Programme einzeln gegen Entgelt zugänglich zu machen. Umgekehrt müssten die Kabel-TV-Unternehmen den Programmveranstaltern vollständige vertragliche Sicherheit bieten, dass den Kunden nur diejenigen Programme zugänglich gemacht werden, für die sie auch bezahlt haben.

Voraussetzung dafür ist die Grundverschlüsselung. "Ohne Grundverschlüsselung können wir in Zukunft kein ausgebautes und individuelles Programmangebot verbreiten. Daran kann wohl niemand interessiert sein", bringt es Leutenegger auf den Punkt. Nicht zuletzt trage die Grundverschlüsselung auch dazu bei, das Problem der Piraterie und des Schwarzsehens in den Griff zu bekommen.

Und was sagt Leutenegger zum Vorstoss von Ständerätin Simonetta Sommaruga, die Grundverschlüsselung beim Digital-TV zu verbieten? "Da wir uns in einem internationalen Umfeld bewegen, ist ein Verschlüsselungsverbot in der Schweiz unrealistisch." Berücksichtigt werden müsse zudem, dass Bluewin TV und andere zukünftige IPTV-Angebote auch grundverschlüsselt seien, abgesehen vom nun herrschenden Wettbewerb.

Swisscable
Swisscable ist der Wirtschaftsverband der Schweizer Kabel-TV-Unternehmen. Ihm sind rund 250 privatwirtschaftlich wie auch öffentlich-rechtlich organisierte Kabelnetzbetriebe angeschlossen, die rund 2,8 Millionen Haushalte bedienen.

Quelle: www.presseportal.ch

Kontakt:
Dr. Claudia Bolla-Vincenz, Geschäftsführerin
Tel. +41/31/328'27'28
Mobile +41/79/301'59'25
E-Mail: info@swisscable.ch

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